Ich: eine KLR Tengai....Er: eine was?...von welcher Marke?

Eine KLR

 

Wie kommt man dazu sich ein Motorrad zu kaufen, welches als allgemein recht aufwendig im Unterhalt und nicht grade als Brot und Butter Motorrad gilt?
Ganz einfach: über ebay...
Und von Vorteil war es damals, daß die KLR 650 Tengai bei mir um die Ecke stand, und ich sie immer wieder anschauen konnte, bis die Auktion beendet war.
Und es war sogar mein erster Deal auf ebay...also war ich euphorisch und gespannt, ob alles so läuft, wie man es sich vorstellt.

Es hat geklappt. Im Mai 2010 bin ich Höchstbietender bei der Auktion. Eine Kawasaki KLR 650 Tengai, Bj. 91, mit guten 51 tsd km. Extra: Kofferhalter mit Koffer, Tankrucksack, ein Satz nicht passender Bremsbeläge und ein Werkstatthandbuch..(wieso dieses, kommt später...)

Ursprünglich war meine Idee eine BMW zu finden. Natürlich wäre eine 1200 GS oder 1100 GS schön gewesen, aber die Preise für solche Motorräder liegen selbst jenseits der 100tsd km weit über dem, was ich mir als frisch geschiedender und Unterhaltzahler leisten kann. Und durch die Insolvenz ist es eh schwierig, ein Fahrzeug zu kaufen.

Der Tag der Abholung kommt, der Vertrag ist in trockenen Tüchern, und ein Geschäftskollege hilft mir beim Verladen, da noch einige Sachen bei der KLR gecheckt werden müssen.
Auf den ersten Blick ist die Maschine ok, aber man schaut ja trotzdem immer mal nach.

Nach einem Ölwechsel mit Filter, Bremsencheck und Kettenkontrolle sitze ich dann zum ersten mal auf einem Motorrad. Nach 25 Jahren im Besitz eines Führerscheins für Motorräder wird ein Traum wahr. Die Nacht vor der Premierenfahrt, gehe ich geistig noch mal alles durch, was ich noch vom Motorradfahren weiß...links schalten - rechts bremsen und oben rechts am Griff drehen...also alles bestens...

Die weiteren Monate sind relativ unspektakulär. Man fährt jeden Tag, bis das Wetter einen nicht mehr  lässt. Und das ist dann, wenn die Straßen weiß sind. Unterbringung für die Wintertage ist die Garage meines ehemaligen Chefs...

Die erste Prüfung für mich kommt dann am 13. April 2012.

Ich mache extra etwas früher Feierabend,  an diesem Freitag (ja, der 13. ), und verlasse das Firmengelände. Ich bin keine 150m aus dem Parkplatz raus, da habe ich ausfüllend in meinem Helmvisier den Kopf einer weiblichen Wildente... Sie flog von links aus dem Wald heraus, und traf mich voll am Kopf. Ich wurde bei ca. 50km/h vom Motorrad geworfen. Die Maschine legte sich nach links, mein Fuß setzt auf dem Asphalt auf, springt aus dem Gelenk und anscheinend fällt die Maschine dann auch noch auf meinen Unterschenkel und bricht mir das Wadenbein.

Nachdem ich mich selber an den Straßenrand gezogen habe, und herbeieilende Kollegen sich versichert haben, daß es mir "relativ" gut geht, rufe ich die mir grad wichtigste Person an - meine Freundin. Ich erzähle ihr, daß ich am Boden liege und mein linkes Bein nicht gut aussieht. In der Zwischenzeit rufen meine Kollegen die Polizei und den Notarzt an.

Ergebnis der Aktion: Motorrad ist seitlich gerutscht, gottseidank waren grad frisch Sturzbügel montiert, mein Bein musste 2 mal operiert werden, da eine Stellschraube gebrochen war, ich bin über 6 Monate krank geschrieben...also ein ganz normaler Bikersommer...



Nach der ganzen Sache habe ich dann im September wieder angefangen auf der KLR zu sitzen. Erst mit etwas unrundem Gefühl, aber von Tag zu Tag wieder besser. Durch die Aktion und durch

 Das beste Forum der Welt

kenne ich meine Tengai langsam fast in und auswendig. Einige Sachen sind für mich immer noch böhmische Dörfer, aber es gibt immer Wege und Helfer, die einem beistehen.

Seit letztem Monat ist die Tengai nun auch "gepimpt". D.h. sie wurde von Mitgliedern des Forums mal richtig durchgesehen. Wir haben in einer Wochenendaktion den Motor gerichtet ( Ausgleichswellenkette getauscht, Nadellager der Starterritzels getauscht, WP-Federbein eingebaut, Heck höher gelegt.)



Danke Jungs, das war eine Super Aktion, und ich bin euch ewig dankbar...


Die nächste Aktion meinerseits war, die nicht mehr funktionierende Hupe wieder erschallen zu lassen. Auch das wurde dank freundlicher Bikerkollegen  erreicht. Das anschließend der Gaszug nicht mehr richtig funktionierte sind Nebensächlichkeiten, die man dann ruck-zuck erledigt. Heißt bei der Tengai: Alles muß wieder runter, da alles durch Verkleidung und Tank verdeckt ist. Jetzt steht noch ein neuer Kettensatz und auch ein neuer Reifensatz mal wieder an...also alles normale Verschleißsachen...
Inzwischen hat die Tengai nun 78tsd km auf dem Tacho, und wird hoffentlich noch viele Kilometer für mich laufen...

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